Eine meiner ersten Geschichten, Kitsch pur.
Morgengrauen
Die aufgehende Sonne kämpfte sich sanft durch meine Vorhänge und schien mir ins Gesicht. Dadurch war ich heute morgen schon früh aufgewacht. Als ich langsam meine Augen aufschlug, blickte ich in ein selig schlafendes Gesicht. Unweigerlich mußte ich lächeln, denn ich wusste, auch meine Liebe war erneut erwacht.
Zärtlich hauchte ich ihm einen Kuss auf die Wange. Dabei stieg mir unweigerlich sein erotischer Duft in die Nase und ich spürte mal wieder die alt bekannten Schmetterling im Bauch. Ich kuschelte mich zärtlich an seine Brust und genoß den Augenblick.
Doch der Gesang der Vögel ließ mir keine Ruhe - Ich verspürte den unbändigen Drang zu ihnen gehören zu wollen und mit ihnen den neuen Morgen zu feiern.
Deshalb entzog ich mich langsam und behutsam seiner zärtlichen Umarmung, bedacht ihn nicht zu wecken. Ich stieg leise aus dem Bett und warf den Morgenmantel über meinen nackten, noch vom Bett gewärmten Körper.
So schritt ich in den Garten und als meine nackten Füße das vom Tau nasse Gras betraten, war ich sofort umgeben von Rosen und wilden Orchideen. Die frische Morgenluft ließ einen
kurzen Schauer über meinen Rücken laufen, doch das störte mich nicht weiter - Ich fühlte mich als wäre ich eins mit der Natur. Ich sog den Duft, der sich der Sonne öffnenden Blüten ein und ließ meinen Blick durch den Garten schweifen.
Der wunderschöne Septembermorgen, der von meinem Auge erblickt wurde, glich einem Gemälde und diese umwerfende Schönheit der Natur ließ mich zärtlich erschaudern.
Der Weiher, der ungefähr in der Mitte des Gartens lag, war umgeben von hohen Obstbäumen. Sie streckten ihre langen, zarten Äste der aufgehenden, roten Sonne entgegen, als wollten sie diese begrüßen. Gleichzeitig waren sie vom sanften Morgennebel eingehüllt, wie in ein schützendes Gewand.
Ich schritt zum Ufer des Weiher und blickte in das ruhige Wasser, daß von der Morgenröte in ein warmes, zartes Rot getaucht wurde. Der Tau der von den Bäumen tropfte, sammelte
sich in den Blütenblätter der Rosen und bildete kleine Seen, die dann als dicke schwere Tropfen zu Boden fielen. Hier und da saßen kleine Meisen im feuchten Gras und badeten im frischen Tau.
Plötzlich ließ mich die kalte Morgenluft erzittern, doch die Luft war so wunderbar frisch und klar, dass ich gar nicht daran dachte wieder ins Haus zu gehen.
Statt dessen wanderte mein Blick über den Weiher, auf dem sich mittlerweile ein Schwanenpaar niedergelassen hatte, um dort seine morgendlichen Runden zu ziehen - wie gerne wäre ich manchmal doch so wie dieses Schwanenpaar - einfach frei und ungebunden ! Ich war wie in Trance - verzaubert von der Schönheit der Natur! Mein Blick glitt weiter zu den großen Obstbäumen. Ihre Blätter hüllten sich langsam in das lustige Farbspiel des Herbstes und die ersten fielen langsam zu Boden.
Langsam begann sich auch der Nebel zu lichten und gab den strahlend blauen Himmel frei. Die Sonnenstrahlen gewannen an Kraft und wärmten meinen auskühlten Körper.
Die Luft war erfüllt von Wärme und dem süßlichen Duft der Blumen.
Plötzlich wurde mir mal wieder schmerzlich bewusst, wie vergänglich die Zeit doch ist und wie schnell sie an uns vor übereilt, ohne, dass wir etwas dagegen tun können.
Schon wieder war das Jahr fast vorüber, und es schien mir als hätte ich gar nicht richtig gelebt. Doch ich versuchte diese Gedanken zu verdrängen, um den Augenblick wieder zu genießen. Ich schloss die Augen und atmete tief die duftende Morgenluft ein.
Auf einmal spürte ich, wie warme, kräftige Arme meine Taille umschlossen. Komischer Weise erschrak ich nicht, denn die Wärme und der Duft kamen mir so unheimlich bekannt vor. Ich spürte, wie sich sein Gesicht in meine Haare wühlte und ein warmer, zärtlicher Atemzug streifte meinen Nacken, gefolgt von einem unglaublich zärtlich gehauchten Kuss. Ein wohliger Schauer durch fuhr meinen Körper!
Ich blickte mich um und schaute in diese warmen, von Zärtlichkeit erfüllten braunen Rehaugen, die mir Tag für Tag immer wieder neue Geheimnisse aufgaben. In diesem Augenblick wußte ich, wir gehörten zusammen, wie das Spiel der Jahreszeiten.
Ich strich zärtlich durch seine weiche, braune Lockenmähne, küsste ihn sanft zur Begrüßung und spürte, wie wir ineinander verschmolzen . . .
...und der Nebel nahm die Liebenden in seine schützenden Arme ! ! !
geschrieben im Jahr 1998
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